Trude Unruh wird 90

Eine kurze politische Biographie

von Erika Lohe-Saul

Geboren  am 7.3. 1925 in Essen, prägten verschiedene weitere  Wohnorte ihren späteren politischen Weg.  Zuerst Markstädt (bei Breslau) als die Bomben des 2. Weltkrieges die Menschen, vor allem Frauen und Mütter, in den Jahren 1942/43  aus den Industriestädten des heutigen NRW vertrieben.

 

Dann,  in den 50er Jahren zurück mit der Vertreibungswelle nach Northeim, weiter über Nordstemmen, Garbsen, Werl, Kaarst,  Kelkeim und Hamm nach Wuppertal. Dort lebt sie nun seit 1968. Noch im Kriegsjahr 1944 hatte sie Ihren Mann Helmut geheiratet, 1956 kam in Northeim ihr erster Sohn Helmut zur Welt, 1960 der zweite Sohn Ingbert.

Als junges Mädchen hatte Trude Unruh in Essen bei der Firma Krupp gearbeitet und wie viele andere junge Menschen Ihrer Generationen, Terror, Krieg,  zerbombte Städte ,  Flucht und Tod hautnah erlebt.

Ab  1968 begannen Trude Unruhs politische Aktivitäten , zuerst geprägt vom Vorbild Gustav Heinemann in NRW, trat sie in die SPD ein. Nicht nur durch die Schulzeit Ihrer eigenen Söhne engagierte sich Trude zuerst in der Frauen- und Schulpolitik von Wuppertal und NRW.  Später war Trude von den sozial-liberalen Thesen von Hermann Flachs (NRW) angetan. In diesen Kreisen lernte sie dann auch Dr. Gruhl („ Ein Planet wird geplündert“) kennen  und gründete mit ihm die „Grüne Aktion Zukunft“ ,  Vorläufer der Initiative : Umwelt- Steuer- und Familienpolitik.

1973 eröffnet Trude Unruh in Wuppertal eine Akademie für Selbstverwaltung und Bildung in den Räumen des alten Viehhof, einem alternativen Kulturzentrum.  Viele Jahre später wurde daraus, das Generationen Bildungswerk Graue Panther e.V. .

1975 Gründung des Senioren Schutz Bund (SSB) Graue Panther e.V. in Wuppertal.  Sie hatte in den Jahren davor unzählige Male erlebt, wie alte Menschen abgeschoben wurden, mehr verwaltet als versorgt wurden. Damals war es in manchen Altenheimen noch üblich, dass 10 Betten in einem Zimmer standen. Würde und Privatsphäre hatten diese Menschen nicht mehr. Und waren das nicht  die gleichen Frauen,  die 30 Jahre vorher Vertreibung  erlitten hatten, Kinder zwischen Trümmern großgezogen und die Steine gekloppt hatten um die BRD auf zubauen?   Unfassbare Missstände, sogar Fixierungen (auf gut deutsch: im Bett festgebundene Menschen)  hatten Trude und ihre Weggefährtinnen erlebt. Viele Zivildienstler dieser  Zeit erzählten, was sie da erlebten und auch für diese jungen Menschen erschienen derartige Zustände unerträglich.

Schnell wurde diese Initiative aus Wuppertal eine bundesweite Bewegung,  die zuerst viel Beachtung fand und später schnell gefürchtet wurde. Hier wurden unverblümt Miststände beim Namen genannt. Aus allen Ecken der BRD erreichten Trude und ihre Freunde in Wuppertal katastrophale Berichte.

Daraus entstanden ihre Bücher 1984: „ Aufruf zur Rebellion, 1987: „Trümmerfrauen“, 1989. Tatort Pflege und schließlich 1990 „ Grau kommt, das ist die  Zukunft“ und Schluss mit dem Terror gegen Alte“. Ihr parteipolitischer Weg hat Trude dann im Umfeld der Demonstrationen gegen Aufrüstung und Aufrüstungsbeschlüsse Mitte der 1980er Jahre zu den Grünen geführt.  Als Spitzenkandidatin der Grünen in NRW zur Bundestagswahl 1987  erreichte Trude Unruh dann ein Bundestagsmandat und war von 1987 bis 1990  Mitglied  des Deutschen Bundestages in Bonn. Mit insgesamt 138 Reden im Deutschen Bundestag wird Trude zu DER populären Altenvertreterin, hat namhaft an den Änderungen im Betreuungsrecht mitgewirkt, die so „fürsorgliche“ Fixierung abgeschafft und vieles mehr.  Ohne die Beiträge von ihr hätten die etablierten Parteien nie etwas in der Gesundheits- und Rentenpolitik verändert.   Ihre Arbeit im Umfeld der Alten veranlassten Trude Unruh und ihre Weggefährten im Senioren Schutz Bund Graue Panther dann auch eine eigene Partei zur Durchsetzung dieser Ziele zugründen. Am 12. Juli 1989 wurde in München die Partei  „ DIE GRAUEN – Graue Panther“ gegründet.  Diese Partei war von Trude als Teil der Graue – Panther- Bewegung zur Umsetzung der politischen Forderungen und Wahlprüfsteine gedacht.  Aus den Mitgliederreihen  vieler Graue Panther Vereine wurden Kreisverbände  gegründet und sprangen wie Pilze aus dem Boden.    Als Reaktion entstanden in den drei „Volksparteien“ politische Untergruppen der Senioren (Senioren Union oder SPD ü60), die Wohlfahrtsverbände der Kirchen änderten ihre „Heimpolitik“, die  durchschnittliche Bettenzahl in den Zimmern der Altenheime ging drastisch herunter.

1996 gründete Trude dann noch die Trude Unruh Stiftung mit Professor Thieler in München.

Alle drei Stränge der Grauen Panther Bewegung haben viele Anfeindungen, Stürme und inzwischen auch Generationenwechsel überstanden.

Der Senioren Schutz Bund Graue Panther hat heute die Form eines Hauptverbandes mit Sitz in Berlin und gilt als Dachverband der immer noch bundesweiten selbständigen Graue Panther Vereine e.V.

Die Trude Unruh Stiftung unterstützt auch heute noch soziale Vereine und Netzwerke in deren Arbeit bei der Information und Aufklärung der Bundesbürgerinnen und Bürger.

Und nicht zuletzt der politische Arm, jetzt unter dem Namen - Allianz Graue Panther Deutschland - tritt mit seinen Zielen und Forderungen immer noch für eine wirkliche Mindestrente und Mindestlohn, für  Generationengerechtigkeit, Würde im Alter und Mehrgenerationen Wohnen ein.

Wir alle fühlen uns den Zielen und dem Ansinnen von Trude Unruh verpflichtet. Es ist uns eine Ehre diese Ziele zu verfolgen und mit viel Engagement zu versuchen dem Werk der Jubilarin gerecht zu werden.